Das Schreiben und der Rest – Teil 3: Das WANN

Das Schreiben und der Rest – Teil 3: Das WANN (oder: Wann schreiben?)

Hier kommt ein neues Kapitel in der Blog-Reihe „Das Schreiben und der Rest“. Beim letzten Mal (Teil 2) haben wir uns „Das WAS“ angesehen. Was ich schreibe. Heute geht es um „Das WANN“. Der dritte Teil der Blog-Reihe.

Welche Arbeitsphase?

Zunächst einmal möchte ich das Augenmerk auf die unterschiedlichen Arbeitsphasen im Leben legen, die wir alle mehr oder weniger durchmachen. In meinem Falle sah das so aus:

  • Schüler
  • Student
  • Angestellter

Als Schüler, vor etlichen Jahren, hatte ich noch nicht so wirklich ein „Zeitgefühl“. Es gab die Schule, in der man von morgens bis mittags/nachmittags war, dann standen Hausaufgaben, Sportvereine, Musik und Freunde auf dem Plan, und abends versammelte sich die Familie vor dem Fernseher. Wenn es gut lief, war ich danach im Bett noch in der Lage, ein paar Seiten in Büchern zu lesen.
Bis zur 10. Klasse habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie es ist, ein ganzes Buch zu schreiben. Dann habe ich es zwar getan, zumeist am Nachmittag/Abend, aber so richtig zu vergleichen mit dem heutigen Schreiben ist es nicht.

In meiner Zeit als Student trifft das schon eher zu. Vor allem, da ich dann nicht nur Schreibratgeber gelesen und Schreibkurse besucht habe, sondern generell auch erwachsener geworden bin und – so bilde ich es mir zumindest ein – besser mit Worten umgehen konnte.
Um ehrlich zu sein: Der Zeit als Student trauere ich mittlerweile ein bisschen nach. Ich erinnere mich an Stundenpläne in der Uni, die nicht wirklich „ausfüllend“ gewesen sind. Wie viel Zeit ich da gehabt haben muss! Im Vergleich zu jetzt sicherlich unheimlich viel.
Deshalb mein Appell an alle schreibenden Student*innen da draußen: Nutzt eure Zeit und schreibt! Schreibt, schreibt, schreibt!

Kommen wir zum aktuellen Status. Der Angestellte. Derjenige, der im Vergleich zum Schüler und Studenten am wenigsten Zeit hat. Augenscheinlich.
Was bedeutet das Angestellten-Dasein? Halbwegs geregelte Arbeitszeiten, während derer man nicht schreiben kann. Deshalb steigen wir nun etwas tiefer ein und unterscheiden dafür zwischen den folgenden „Zeiten“:

  • Urlaub
  • Werktage
  • Wochenende

Mögliche Zeiten zum Schreiben

Fangen wir mit dem Schönsten an: Urlaub. Schreiben im Urlaub? Schwierig. Da habe ich zwar frei, aber eigentlich soll die Erholung im Vordergrund stehen. Außerdem habe ich meist keinen Laptop dabei. Somit bleibt es meist dabei, dass ich Ideen notiere oder Inspirationen auf Fotos festhalte.

Eine Ausnahme würde selbstverständlich ein Schreiburlaub darstellen. Diesen habe ich bisher noch nicht getätigt, aber es hört sich verlockend an.
Zwischenfazit „Urlaub“: kaum Zeit

Nächster Punkt: Werktage. Wie oben schon erwähnt, habe ich da geregelte Arbeitszeiten, die wie ein schwarzes Tuch im Kalender liegen, das mir das Schreiben verbietet. Nur davor und danach darf ich mich also ans Manuskript setzen. Behalten wir diesen Gedanken mal im Hinterkopf.
Zwischenfazit „Werktage“: ein bisschen mehr Zeit

Letzter Punkt: Wochenende. Man will meinen, dass dies die perfekte Zeit ist zum Schreiben. Aber: Am Wochenende will ich mich endlich bewegen, Dinge unternehmen, Freunde treffen oder die Füße hochlegen. Meistens zumindest. Es gibt auch die Wochenenden, an denen ich in meiner Geschichte versinke (wie hier z.B. → ein richtiger „Power“-Tag). Ich möchte aber meinen, dass der Großteil der Wochenenden mit anderen Aktivitäten verbunden ist.
Zwischenfazit „Wochenende“: potentiell viel Zeit

Was lässt sich also insgesamt als Zwischenfazit ablesen?

Zunächst: Es scheint nicht den perfekten Zeitpunkt zu geben. Und: Urlaub ist nicht unbedingt dafür geeignet, sofern es kein Schreiburlaub ist.
Was bleibt: Werktage und Wochenende. Nüchtern betrachtet hat das Wochenende ein hohes Potential, da ich schließlich den ganzen Tag „frei“ habe und mich dem Schreiben widmen kann. Ebenfalls nüchtern betrachtet fallen am Wochenende aber auch noch andere Aktivitäten an, die unter der Woche nicht oder nur schwierig zu erledigen sind (z.B. Einkaufen oder zu Geschäften gehen, die sonst bereits vor meinem Feierabend zu haben). Außerdem besteht das Wochenende „nur“ aus zwei Tagen im Vergleich zu vollen fünf Werktagen.
Sofern ich mir also nicht einen Samstag oder Sonntag so blocke, dass ich mich nur ums Schreiben kümmern darf, muss ich mit den Werktagen vorlieb nehmen.

Der Werktag unter der Lupe

Wir hatten es oben schon kurz angerissen. Wie sieht ein typischer Werktag aus?

  1. Er beginnt mit dem Aufstehen,
  2. dann kommt irgendwann das Frühstück,
  3. dann der Arbeitsbeginn,
  4. dann Mittagspause/Mittagessen,
  5. irgendwann Feierabend,
  6. noch ein Abendessen,
  7. und schließlich schlafen gehen.

Da bin ich […] ausgeschlafen, der Kopf ist frei, ich bin nicht erschöpft […] und kann noch klar denken.

Wo „quetsche“ ich nun also das Schreiben hinein? Ich weiß von vielen, dass sie es irgendwo zwischen Punkt 5 und 7 machen. Manche tun es auch während Punkt 4, also in der Mittagspause.
Ich jedoch siedele mein Schreiben zwischen Punkt 1 und 2 an. Morgens. Da bin ich (mehr oder weniger) ausgeschlafen, der Kopf ist frei, ich bin nicht erschöpft vom Tag oder dergleichen und kann noch klar denken. Außerdem hat es in irgendeiner Weise auch etwas Besonderes, direkt nach dem Aufstehen damit zu beginnen, das Handy und die wartenden Nachrichten zu ignorieren und mich voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren.

Ich glaube, das spiegelt sich dann auch in der Priorität wider. Im ersten Teil der Blog-Serie habe ich über mein „Warum“ geschrieben. Warum ich überhaupt (Bücher) schreibe. Hätte ich dieses „Warum“ nicht, dann würde ich es höchstwahrscheinlich als nicht so wichtig ansehen, als dass ich es als erstes am Morgen angehe.

Zudem hat es für mich als planenden Menschen den Vorteil, dass ich genau weiß, wann ich starten kann und wann ich aufhören muss. Meine Arbeitszeiten sind (leider) nicht so geregelt, dass ich morgens weiß, wann ich abends den Stift fallen lasse. Deshalb könnte ich sowieso nicht sagen, dass ich jeden Tag um Punkt X Uhr am Abend so und so viele Minuten am Text schreibe.

Morgens geht das. Die Arbeit beginnt um 9 Uhr, davor bin ich Herr über meine Zeit. Diesen Blog-Beitrag hier schreibe ich auch am Morgen. Das Fenster ist offen, die Sonne scheint bereits (es ist Juni) und ich höre ein paar Autos fahren. Fehlt nur noch das Meer irgendwo am Horizont und es wäre nahezu perfekt.

Fassen wir also zusammen:
Für mich funktioniert es am besten, wenn ich morgens noch vor dem Arbeitsbeginn des „Brotjobs“ schreibe. Zu dieser Zeit will niemand etwas von mir und ich kann durch meinen Wecker selbst entscheiden, wie viel Zeit ich zum Schreiben haben werde.

Bevor wir zum Ende dieses Beitrags kommen, möchte ich aber noch einen Blick über den Tellerrand werfen. Das oben beschriebene Szenario eines Angestellten trifft wohl auf den Großteil der Schreiberlinge zu, die nicht allein vom Schreiben leben können.

Da gibt es doch sicherlich noch mehr Optionen, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, oder? Absolut. Zwei Optionen möchte ich hier aufführen, da ich sie selbst „durchlebt“ habe. Einmal gab es temporär mehr Zeit, einmal dauerhaft. Starten wir mit dem Ersten.

Tipps für mehr Zeit zum Schreiben

Ich habe mich sogar ein bisschen wie ein Vollzeit-Autor gefühlt.

Option 1: Sabbatical/ Auszeit vom Job
Ich muss zugeben, dass ich mein 3-monatiges Sabbatical zunächst anders verplant hatte (Reisen, was sonst?), aber wegen des Lockdowns durfte ich meine Pläne ändern. So hatte ich die Zeit, Milo Teil 2 zu plotten und zu schreiben (die Rohfassung). Wenn ich bedenke, dass ich für den ersten Teil von Milo insgesamt mehrere Jahre gebraucht habe, so fühlt sie der zweite Teil wie ein Fingerschnipsen an.

Ich weiß aber auch, dass ein Sabbatical nicht in jedem Job möglich ist. Ich hatte das Glück, dass es das bei mir war. Im Nachhinein also: Eine perfekte Möglichkeit, um sich voll und ganz im Schreiben zu verlieren. Ich habe mich sogar ein bisschen wie ein Vollzeit-Autor gefühlt. Leider war das aber, wie gesagt, nur von temporärer Natur. Aber da gibt es ja noch die zweite Option …

Option 2: Reduzierte Arbeitszeit
Direkt nach meinem Sabbatical bin ich auf eine 80%-Stelle gewechselt. Das heißt, dass ich freitags frei habe. Es lässt sich darüber streiten, ob nicht ein anderer Wochentag klüger gewesen als freier Tag, in meinem Falle ist es nun aber der Freitag. Somit habe ich nur noch vier Werktage, an denen ich das Schreiben in den Morgen „quetschen“ muss. Zusätzlich zum Wochenende besitze ich nun einen weiteren völlig freien Tag, der zum Schreiben und weiteren Aktivitäten einlädt, die man am Wochenende nicht machen kann oder will (freitags sind Strände, Parks, Einkaufsstraßen etc. leerer als am Samstag oder Sonntag).

Genau wie bei Option 1 und dem Sabbatical kann ich mich auch hier glücklich schätzen, dass diese Arbeitszeitregelung so leicht durchsetzbar gewesen ist. Wichtig ist hier, glaube ich, dass man an seinem freien Tag auch wirklich frei macht. Ich habe auch von Leuten gehört, bei denen das nicht geklappt hat und sie eigentlich die gleiche Arbeitszeit in vier Tagen gehabt haben.

An diesem freien Werktag kann man übrigens auch solch Dinge tun wie Lesungen halten in Schulen – wenn man sonst nur am Wochenende Zeit hat, wäre das hier nicht möglich gewesen.

Und noch ein letzter Punkt, diesmal aber keine Empfehlung, sondern eine Warnung:
Ich hatte mir 2021 das Ziel gesetzt, jeden Tag etwas (produktives) zu schreiben. Sei es im Manuskript, sei es ein Blog-Beitrag oder dergleichen. Der Plan war, damit in einen dauerhaften Schreib-Flow zu kommen bzw. das Schreiben so in den Alltag zu integrieren, dass ich es mir nicht mehr wegdenken konnte.

Leider hat das nicht geklappt. Um ehrlich zu sein, stresste es mich mehr, als dass es mir half. Dieser Zwang, auch an ohnehin schon vollgepackten Tagen Zeit zum Schreiben zu finden, oder eben auch während des Urlaubs, oder während Krankheit, war einfach kontraproduktiv.

Für mich ist dies also keine Option (auch wenn ich gerade merke, dass es nach einer Woche Urlaub ohne jegliches Schreiben schwierig ist, wieder in den Vor-Urlaubs-Modus zu kommen).

Fazit

  • als Angestellter habe ich im Grunde drei „Zeiten“, zu denen ich schreiben kann: Urlaub, Werktage und Wochenende. Für die Routine versuche ich, regelmäßig an Werktagen zu schreiben und mir ab und an einen „Power“-Tag am Wochenende zu gönnen, an dem ich mich voll dem Schreiben widme.
  • an Werktagen habe ich für mich festgestellt, dass ich am besten morgens vor der Arbeit schreiben kann. Das bedeutet ein relativ frühes Aufstehen, aber da ich eine „Morgen“-Person bin, stört mich das nicht.
  • eine zusätzliche Option für temporär mehr Zeit zum Schreiben stellt ein Sabbatical dar. Wenn man es hauptsächlich fürs Schreiben nutzt, kann man in das Leben eines Vollzeit-Autors hineinschnuppern.
  • eine weitere Option, die ich selbst auch nutze, ist eine reduzierte Arbeitszeit, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Hier ist es wichtig, dass man auch wirklich weniger arbeitet als zuvor und nicht die Zeit des freien Tags in die anderen packt.

 

Alle Teile der Blog-Reihe:

  1. Das WARUM
  2. Das WAS
  3. Das WANN (hier)
  4. Das WIE

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